„Sie aßen alle und wurden satt und sammelten auf, was an Brocken übrig blieb – zwölf Körbe voll.“ (Matthäus 14,20) Das ist die neutestamentliche Tageslosung für heute. Eine besondere Geschichte, die zu diesem V Vers gehört: Jesus hat 5000 hungrige Menschen vor sich, aber nur 5 Brote und 2 Fische – aber es reicht! Am Ende bleibt sogar noch übrig: 12 Körbe voll. Die heilige Zahl 12, die an die zwölf Stämme Israel erinnert, für die ja auch die 12 Apostel stehen. Will sagen: am Ende geht niemand, der zu Gottes Volk gehört, mit leeren Händen und hungrig heim. Ja, es bleibt nicht deshalb so viel übrig, weil die Menschen sich nicht zu nehmen trauen – die Bibel sagt ausdrücklich: sie wurden alle satt! – Es reicht! Auch wenn auf den ersten Blick so wenig nur da zu sein scheint.

In der Bibel, im Buch der Sprüche 8 spricht die Weisheit: „Der Herr hat mich schon gehabt am Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war ... Als er die Himmel bereitete, war ich da ... als er die Grundfesten der Erde festlegte, da war ich beständig bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.“ (Sprüche 8,22–31 in Auszügen). Das ist der Bibeltext für die erste Woche der Aktion: Sieben Wochen – ohne Denkblockaden. – Spielräume nutzen.

Sieben Wochen ohne Denkblockaden. Spielräume nutzen. Das tat so richtig gut am Wochenende zu erleben. Zum Beispiel gestern Abend nach unserem Livestream-Gottesdienst aus Horsbüll: Ich sah Biikefeuer. Nein, keine Sorge, das waren keine widergesetzlichen öffentlichen Anlaufpunkte – es waren Menschen, die einfach in ihren Gärten in einer Feuertonne oder an einer Feuerstelle ein kleines Feuer machten: für die Familie. Einfach um an diese besondere Tradition hier in Nordfriesland zu erinnern und mit Corona nicht alles ausfallen zu lassen. An mehreren Stellen sah man von weitem über unsere freie Landschaft hinweg solche kleinen Biikefeuer auf Privatgrundstücken, und das war richtig schön anzusehen und tat riesig gut! – Die brennende Biike in Galmsbüll konnten die, die im Garten kein eigenes Feuerchen hatten, dann daheim am Bildschirm im Livestream bewundern, von Sigrid Brandenburg wunderbar ins Bild gesetzt! –

Es hätte das große Festwochenende werden können für die Feuerwehren und für die Bevölkerung. Biike an einem Sonntag – das passt doch eigentlich ganz gut. Und zudem bei recht frühlingshaften Temperaturen, bei denen man noch Glühwein, aber auch schon ein kühles Bier verzehren kann. Um ein wärmendes Feuer versammelt. Es sollte anders kommen. In diesem Jahr finden die Biike höchstens digital statt. Vielleicht aber wird ganz oft zu Hause in Erinnerungen geschwelgt: an vergangene Biiken. An Menschen, die sich dort verliebt haben. Kumpels von der Schule wieder trafen. An Aufbruchsstimmung nach dem langen Winter. Vorfreude auf den Frühling. –

Klar, war ich dabei! Ist doch logisch. Ist doch kein Problem in diesen Tagen sich ins eiskalte Wasser zu stürzen. War doch erst vorgestern ein großer Artikel im Nordfriesischen Tagblatt übers Eisbaden. Olaf Hinrichsen macht es. Wladimir Putin macht es auch. – Na ja, ganz so habe ich nicht reagiert. „Also ich mach das nicht“, habe ich gesagt. „Viel zu kalt! Das ist nichts für mich!“ – Aber Martha, unsere jüngste Tochter, ließ sich nicht beirren. Und was sie sich in den Kopf gesetzt hat, das macht sie, das haben wir als Eltern inzwischen verstanden. So ging es los. Vorgestern. Südwesthörn. Verhangener Himmel. Etwas graues Tauwetter. Aber Eisschollen schwammen noch im Wasser, das zur Flutzeit auch reichlich da war. Ein paar Lockerungs- und Atemübungen. Sie hatte sich gut informiert. Dann ging es los. T-Shirt und Badehose an, und zack ins Wasser.

Spielräume entdecken

Etwas zusammengezuckt bin ich schon. Als ich das Motto der diesjährigen Aktion „Sieben Wochen ohne“ las: „Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden“. Das war irgendwann im frühen Winter, der nächste harte Lockdown stand bevor. Im Kopf hatte ich noch die Nachrichten von improvisierten Glühweinständen in der Adventszeit, von einer großen Hochzeitsfeier hinter der dänischen Grenze und von der Sehnsucht so vieler, sich endlich mal wieder mit mehr als nur Personen eines weiteren Haushaltes treffen zu können – „Es muss doch niemand merken!“ – An sich liebe ich dieses Wort „Spielraum“ und mag keine Vorschriften und Regelungen ohne die Möglichkeit sie anzupassen, Ausnahmen zu gestatten, im konkreten Fall zu sehen, was möglich ist.