flut21.jpgFoto: A.D., OdendorfUngefähr 50 Tage nach der verheerenden Flut entstand in einem der Flutgebiete in Nordrhein-Westfalen dieses Foto. Eine Betroffene hat es gepostet und ausdrücklich erlaubt, dass ich es auch in diesem Gemeindebrief abdrucken darf. Es hat mich sehr berührt, weil dieses Bild so viel in sich vereint: die Wucht der Zerstörung, den tiefen Schmerz über den Verlust von Heimat und so viel Liebgewonnenem, aber daneben auch: Aufbruchsstimmung, Aufräumarbeiten. Und schließlich der Regenbogen, sogar in doppelter Ausfertigung, als bräuchten die Menschen auch doppelte Vergewisserung: Gott hat sie nicht vergessen. Für mich ist auf diesem Foto vereint, woran Erntedank uns im Jahr 2021 erinnert:

 

1. Die Erde ist bedroht

Wir Menschen erhielten die Erde von Gott um sie zu bestellen und zu bewahren. Bestellt haben wir viel, aber im Bewahren sind wir sehr schlecht. Es ist höchste Zeit. Nicht erst die Flutkatastrophe im Sommer in Deutschland führt uns das vor Augen. Erntedank – Dank für die Ernte, das heißt alles tun, dass auch weiter geerntet und gelebt werden kann auf dieser Erde. Es kann kein Weiter so geben. Einschnitte werden weh tun. Aber sie sind überlebenswichtig. Es ist kein Erfolg, wenn Wirtschaft quantitativ wächst, wenn Böden intensiv bestellt und ausgelaugt werden, wenn unser Denken und Streben vom Wachsen-Müssen bestimmt bleibt: immer mehr, größer, schneller, billiger. Eine neue Bescheidenheit ist wichtig. Weniger und dafür qualitativ besser, ökologisch verträglicher ist angezeigt. Landwirte dabei zu unterstützen. Den Energiesektor umbauen. Auf die eine oder andere liebgewonnene Tradition verzichten um dafür ein besseres Lebensgefühl zu ernten und Hoffnung zu haben für eine lebenswerte Zukunft unserer Kinder: ist es das nicht wert?

 

2. Es geht nur gemeinsam!

Wir Menschen gehören zusammen. Und leuchten als Gottes Ebenbild besonders schön, wo wir zusammenstehen. Dort in den Flutgebieten kamen Menschen, manchmal von weit her, um zu helfen. Landwirte mit Treckern. Feuerwehrleute, Helfende vom Roten Kreuz, Seelsorgerinnen und Seelsorger, Urlauberinnen und Urlauber, die einfach mit anpacken. Die wichtigste Botschaft dabei ist: Ihr seid mit eurer Not nicht allein. Erntedank heißt: dankbar sein für alles hilfreiche Tun, das nur gelingt, wo wir zusammenstehen. Auch hier vor Ort werden wir von Gott jeden Tag losgeschickt um zu spüren, wo Menschen uns brauchen, um zu trösten, zu beten, anzupacken.

 

3. Gott hat niemanden vergessen!

Die Bibel erzählt, wie Gott einmal eine zerstörerische Flut geschickt hat, damals, bei Noah. Weil er sich so sehr geärgert hat über uns Menschen, die anderen Kreaturen so viel Leid verursachten. Aber dann rettet Gott doch wenigstens Noah und seine Familie und von allen Tieren ein Paar in der Arche. Und am Ende der Flut steht der Regenbogen – als Zeichen Gottes für die Menschen: Nie mehr will Gott eine Flut als Strafe schicken. Gott will die Erde bewahren helfen. Er will nicht strafen, sondern verzeihen und es im Guten mit uns versuchen. Umweltkatastrophen sind keine Strafe Gottes. Sie sind meist menschengemacht. Wir müssen umsteuern. Gott traut es uns zu und will uns dabei helfen. Dafür steht der Regenbogen: Gott will das Leben, er will es bunt und vielfältig. Lasst uns Pioniere werden für neue Wege, die Gott uns zeigt! Für eine bessere Zukunft für diese Welt! Lasst uns einander zur Hoffnung anstiften und Gott vertrauen und über jeden Regenbogen staunen.

Gott sagt: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. (1. Mose 8,22)

Erntedank 2021. Erntedank im Zeichen des Regenbogens. Wir senden Gebete und Grüße in die Flutregionen. Und manchmal auch tatkräftiges Handeln! Bleibt alle behütet und gesegnet! Euer Pastor Gerald Rohrmann